Jahr für Jahr werden höhere E-Commerce-Umsätze verzeichnet. Trotzdem sind immer noch nur 7,7 % aller Handelsumsätze online. Das bedeutet, dass im E-Commerce-Bereich noch viele Wachstumschancen vorhanden sind, bevor die Online-Umsätze diejenigen des herkömmlichen Einzelhandels aufholen. Es ist also noch viel Wachstumspotential vorhanden. Wie genau dies ablaufen könnte versuchen wir im Folgenden vorherzusagen.

1) Neue Poduktkategorien treiben das Wachstum

 

Laut eMarketer ist die Produktart mit der höchsten Anzahl an Online-Verkäufen die Computer- und Verbraucherelektronik. Die nachstehende Grafik zeigt den Prozentsatz der gesamten US-amerikanischen Verkäufe von Verbraucherelektronik, die zwischen 2012-2014 online stattgefunden haben. Mit über 60% ist der Online-Anteil mittlerweile so hoch, dass es nur wenig Raum für weiteres Wachstum gibt.

Ecommerce Trend Categories Percentage of Total Sales

Das nächste Schaubild zeigt eine Prognose von eMarketer für die Gesamt-Online-Ausgaben jedes US-Sektors bis zum Jahr 2018. Danach kann in allen Sektoren mit einem kontinuierlichen Wachstum gerechnet werden. Das Diagramm berücksichtigt allerdings keine neuen Entwicklungen auf dem Markt. Bereiche, die derzeit nur einen geringen Anteil des Gesamtumsatzes ausmachen, könnten jedoch durchaus sprunghaft ansteigen. Hier ein Beispiel: Derzeit erfolgen nur 1 % aller Verkäufe von Lebensmitteln und Getränken in den USA online. Dieser Anteil von 1 % belief sich jedoch in 2015 auf 7,9 Milliarden USD. Der Gesamtwert des Marktsektors Lebensmittel und Getränke beträgt also 790 Milliarden USD. Es wird nicht mehr lange dauern, bis weitere Unternehmen diese Marktlücke im Online-Lebensmittel-Vertrieb wahrnehmen. Man kann also mit einem hohen Wachstumstrend in diesem Bereich rechnen – insbesondere angesichts von Neuankömmlingen wie Amazon Fresh und Hello Fresh auf dem Markt.

Trend in Ecommerce sales by category

Wir gehen davon aus, dass das größte Wachstum im Bereich Lebensmittel stattfinden wird, da nur 1 % dieses enormen Marktes derzeit online präsent ist, während andere Bereiche – z. B. Verbraucherelektronik – bereits an ihre Grenzen gestoßen sind.

 

2) Entwicklungsländer gehören zukünftig zu den größten E-Commerce-Märkten

 

Wie das untere Diagramm verdeutlicht, spielen Schwellenmärkte auf dem globalen E-Commerce-Markt eine immer größere Rolle. Laut eMarketer verzeichnet die Asien-Pazifik-Region die weltweit höchsten E-Commerce-Gesamtumsätze: 525,2 Milliarden USD im Jahr 2014  – verglichen mit nur 482,6 Milliarden USD in Nordamerika im gleichen Jahr. Tatsächlich prognostiziert das Marktforschungsunternehmen Forrester, dass die Asien-Pazifik-Region bis zum Jahr 2020 einen Gesamtumsatz von 1,4 Billionen USD erzielen wird, wobei allein für den chinesischen Online-Einzelhandelsmarkt mit Umsätzen von 1,1 Billionen USD gerechnet wird. Als Ursache für dieses starke Wachstum des Asien-Pazifik-Marktes nennt eMarketer technologische Fortschritt: Kunden dieser Region haben zum erstem Mal Überhaupt die Möglichkeit, Online-Käufe zu tätigen.
Online Sales Worldwide

Die nächste Grafik illustriert, in welchen Ländern E-Commerce-Märkte die höchsten Wachstumstrends verzeichnen. Länder in Schwellenmärkten zeigen das größte Wachstum, während reifere Märkte weitaus langsamer wachsen. China, Indonesien und Indien wachsen am schnellsten und tragen somit enorm zum rasanten Wachstum des Asien-Pazifik-Marktes bei. Insgesamt verringert sich die Wachstumsrate allerdings jedes Jahr. Die Wachstumsrate des globalen E-Commerce-Marktes wird sich voraussichtlich von 2012 bis 2017 um 7,5 % verringern.

Future of Ecommerce: B2C Ecommerce Sales Growth Country

Das chinesische ePacket-System ermöglicht es China, auch Kunden in den USA zu bedienen. Die Initiative ist eine Vereinbarung zwischen den US-amerikanischen und den chinesischen Post-Systemen. Es erlaubt chinesischen Online-Händlern, Pakete schnell und billig an US-Adressen zu senden, was bedeutet, dass die internationale Post nicht länger eine Barriere für chinesische Händler ist, um in den US Markt einzutreten. Das ePacket-System wird es den chinesischen Einzelhändlern ermöglichen, weiter zu wachsen, ein Vorteil für den chinesischen Online-Einzelhandels-Riesen Alibaba, der derzeit mit Amazon auf derem eigenen Boden konkurrieren kann. Amazon hat darauf mit der Entwicklung des Fulfilment by Amazon Small and Light Program reagiert, indem es die inländischen Versandkosten von kleinen und leichten Artikeln, wie etwa Telefonkabel, senkte, um sich gegen die Niedrigpreise von chinesischen Händlern zu behaupten. Der Kampf zwischen Amazon und Alibaba wird dazu führen, dass beide Seiten neue Initiativen entwickeln, um ihre Kunden am besten zu bedienen.

 

Wir sagen voraus, dass China weiterhin mit am schnellsten wachsen wird, da der chinesische Markt immer noch relativ neu für E-Commerce ist. Dies wird vor allem Alibaba zugutekommen.

 

3) Werden Amazon und Alibaba durch neue Player abgelöst?

 

Die nächste Frage ist, ob die Einzelhandelsgiganten Amazon und Alibaba weiterhin den E-Commerce-Markt beherrschen werden – oder ob unabhängige Einzelhändler ihren Anteil am Online-Markt aufrechterhalten können. Amazon hat über die Jahre ein herausragendes Logistiksystem aufgebaut sich und bietet meist die schnellsten Versand Optionen. Aus diesem Grund ist Amazon für viele seiner Kunden weiterhin erste Wahl. Amazons Konkurrenten starten neue Initiativen, um mit dem Zustelldienst von Amazon zu konkurrieren, zum Beispiel hat Walmart sich mit Uber zusammengeschlossen, um schnelle Lieferungen anzubieten, die mit Amazon Prime konkurrieren können. Dennoch wird sich Amazons Fähigkeit, Kunden schnelle Lieferung anzubieten, durch die Entwicklung des Seller Fulfilled Prime Programms fortsetzen, das heißt, dass leistungsstarke Dritthändler, die Amazon benutzen, auch mittels Amazon Prime ausliefern können. Amazon arbeitet auch an Drohnen, um kleine Gegenstände an ihre Kunden zu liefern und erweitert das Amazon Locker-Schema, das den Kunden die Freiheit gibt, Pakete zu einem Zeitpunkt ihrer Wahl anzunehmen und zurückzugeben.

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Doch während Amazon ein dominanter Player auf den Märkten für Verbraucherelektronik und Bücher ist, ist die Frage, ob es in der Lage ist, den Markt in anderen Produktsparten anzuführen. Sowohl Verbraucherelektronik als auch Bücher benötigen kein aufwendiges Showrooming. Dies ermöglicht Amazon einen einfachen Verkauf, da bei diesen Produktarten der wichtigste Punkt des Wettbewerbs der Preis und die Lieferung ist. Allerdings ist Amazons Ansatz für den Verkauf von Unterhaltungselektronik und Bücher weniger erfolgreich, wenn es um den Verkauf von anderen Produktarten wie Kleidung und Lebensmittel geht. Start-ups, wie z.B. Hello Fresh, verwenden ein anderes Geschäftsmodell, indem sie neue Alternativen zum Lebensmittelmarkt anbieten, die bisher nicht online angeboten wurden und deren Ansatz von Kunden sehr gut angenommen wird. Es scheint, dass Nischenplayer und neue Marktteilnehmer auch weiterhin eine wichtige Rolle für die Kunden spielen werden, indem sie neue und innovative Lösungen anbieten, um Kunden in einer Weise zu bedienen, auf die es Marktführer nicht machen.

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Wir glauben, dass Amazon und Alibaba ihre Marktführerschaft in der Verbraucherelektronik und Bücherindustrie fortsetzen werden, aber neue Startups werden eine führende Rolle in anderen Marktsektoren spielen.

 

4) Marktplätze versus Eigenverkauf, welches Geschäftsmodell ist die Zukunft des E-Commerce?

 

Es gibt Vorteile und Nachteile sowohl für Online-Marktplätze als auch Direktverkäufer. Während Direkthändler konkurrieren, indem sie den Kunden ein einzigartiges Erlebnis mit dem Schwerpunkt auf Kundenbeziehungen bieten, ermöglichen Marktplätze Kunden, Preise schnell und einfach zu vergleichen.

Die Marktplätze wachsen weiter und werden immer beliebter bei Kunden, die das haben möchten, was sie als das beste Angebot betrachten. Laut Internet Retailer entfielen auf Amazon und eBay 27 % der nordamerikanischen Online-Verkäufe im Jahr 2015. Es sollte auch bemerkt werden, dass Online-Marktplätze kleinen Einzelhändlern die Möglichkeit geben, sehr schnell zu wachsen. Dies geschieht aus mehreren Gründen: Erstens können kleine Einzelhändler ihre Produkte Kunden an einem Ort mit hohem Traffic anbieten, wenn ihre Webseite einen geringen Verkehr haben könnte, da sie relativ unbekannt ist. Zweitens vertrauen Kunden oft nicht unbekannten Einzelhändlern. Wenn eine unbekannte Marke ihr Produkt auf einem Markt verkauft, werden den Kunden Garantien durch den Marktplatz angeboten, zum Beispiel der eBay-Käuferschutz, wodurch sich Kunden beim Kauf bei weniger bekannten Händlern wohler fühlen.

Ecommerce Trends: Amazon eBay North American Sales

Online-Marktplätze werden auch in Zukunft weiter wachsen: Statistiken von Volusion zeigen, dass Einzelhändler planen, 32 % mehr auszugeben, um ihre Produkte auf Marktplätzen im Jahr 2016 zu verkaufen. Es zeigt auch, dass Amazons Nettoumsatz von 2014-2015 um 23 % stieg, während es bei eBay 18 % waren. E-Commerce ist ein Käufersmarkt, und Marktplätze können Kunden Bequemlichkeit und Sicherheit bei ihren Tranksaktionen anbieten und gleichzeitig Produkte am besten Ort garantieren. Es ist nicht überraschend, dass die Kundenbasis der Marktplätze mit solch einer beeindruckenden Rate weiter wächst.

 

Wir glauben, dass Online-Marktplätze ihr Wachstum fortsetzen werden, da sie viele Vorteile für Kunden und Einzelhändler im E-Commerce bieten

 

5) Ist die Zukunft des E-Commerce mobil?

 

Der mobile Datenverkehr ist auf dem Vormarsch, und immer mehr Kunden nutzen Apps, Handys und Tablets, um im Gegensatz zu Desktopcomputern auf digitale Inhalte zuzugreifen, Allerdings scheint es, dass Kunden immer noch lieber auf Desktops und Tablets kaufen, während ein kleiner Prozentsatz auf Mobiltelefonen kauft.

Die beiden Graphen unten zeigen den Anteil des E-Commerce-Traffics, der in den USA im Jahr 2014 stattfand. Während auf Desktopcomputer nur 55,7 % des Verkehrs entfielen, kam 75,1 % des Gesamtumsatzes von Desktopcomputer-Käufern. Auf der anderen Seite entfielen auf Smartphones 29,9 % des E-Commerce-Traffics, während nur 11,2 % der Einnahmen von Handys kam. Das bedeutet, dass nur etwa ein Drittel der mobilen Käufer tatsächlich auf ihren mobilen Geräten kaufen. Letztendlich kamen 14,4 % des Verkehrs von Tablets, die 13,7 % des gesamten E-Commerce-Umsatzes ausmachten.

Mobile Ecommerce: Percentage of Total US Ecommerce Traffic
Percentage of Total US Ecommerce Revenue

Diese Zahlen zeigen, dass Kunden zwar gerne auf mobilen Geräten surfen, sie aber bevorzugen, auf Desktopcomputern oder Tablets zu kaufen. Für Shopify sind der Grund die kleinen Bildschirme auf Mobiltelefonen, die es für Kunden schwierig machen, ihre Zahlungsinformationen einzugeben und Produkte umfassend anzusehen. Was bis jetzt feststeht, ist, dass der mobile E-Commerce nicht einmal annähernd in der Lage ist, die Einnahmen zu produzieren, die Desktopcomputer und Tablets produzieren können. Es ist möglich, dass die Einführung von Smartphones mit größeren Bildschirmen diese Zahl leicht erhöhen könnte, da der mobile E-Commerce-Markt mit der Entwicklung neuer Apps und schnellerem Internet weiter wächst. Bis jetzt bleibt dennoch die Lücke zwischen mobilem Surfen und mobilen Einnahmen bestehen.

 

Wir glauben, dass der mobile E-Commerce weiter wachsen wird und die Entwicklung neuer Technologien es den Kunden erleichtern wird, auf ihren Mobiltelefonen einzukaufen. Dadurch wird es möglich, dass der mobile Umsatz auf eine Zahl steigen wird, die zu dem mobilen Verkehr verhältnismäßiger ist.

 

6) Produktvisualisierung wird ein wichtiger E-Commerce-Trend werden, da zunehmend kompliziertere Produkte online verkauft werden

 

Die ersten Produkte, die online verkauft wurden, waren Bücher und das war kein Zufall. Bücher sind als Produkt sehr einfach. Jeder weiß, wie sie aussehen oder „funktionieren“. Es besteht keine Notwendigkeit der Visualisierung oder des Ausprobierens des Produkts. Der Fokus liegt auf dem Inhalt der Bücher, und der kann sehr gut im Klartext beschrieben werden. Allerdings war ein wichtiger E-Commerce-Trend der letzten 10 Jahre neue Produktkategorie, die online angeboten wurden. Zuerst Verbraucherelektronik, dann Spielzeug und Mode, jetzt Möbel und sogar Maschinen für Unternehmen. Sie alle haben eins gemeinsam. Sie sind komplizierter und hängen von Erklärungen und Visualisierungen ab. E-Commerce-Unternehmer in diesen neuen Kategorien müssen Lösungen finden, die die Erfahrung des Offline-Einzelhandel ersetzt, bei der man mit dem Ladenbesitzer sprechen und ihn um Erklärung bitten kann oder wo man das Produkt berühren und ausprobieren kann.

product visualization change: zappos product pages from 2007 till 2015

Zappos zum Beispiel konzentriert sich bereits stark auf Videos, um ihre Produktvisualisierung zu verbessern. Im Laufe der Zeit fügten sie immer mehr Bilder und Videos hinzu.

Neue Technologien für die Visualisierung wie virtuelle Umkleidekabinen oder virtuelle Realität werden angenommen und werden zu E-Commerce-Trends. Zurzeit ist es für eine Masseneinführung immer noch zu früh. Daher werden Videos für die nächsten 2-3 Jahre das beste Werkzeug sein, um dieses Problem zu lösen. Es ist gut geeignet, um komplizierte Produkte auf unterhaltsame Art und Weise zu erklären, und die Verbraucher sehen sich gerne Produktvideos an. Hier ist ein Beispiel für ein gut gefertigtes Produktvideo:

Da immer mehr komplizierte Produkte online verkauft werden, werden sich neue Technologien für die Visualisierung im E-Commerce verbreiten. Für die unmittelbare Zukunft werden Produktvideos der beste Ansatz dafür  sein.

 

E-Commerce wächst kontinuierlich, da neue digitale Lösungen entwickelt werden und Online-Händler sich neue und innovative Möglichkeiten zur Erfüllung ihrer Online-Kundenanforderungen einfallen lassen. Allerdings ändern sich die Konsumentengewohnheiten ständig, was bedeutet, dass E-Commerce-Händler Markttrends überwachen und ihre Angebote an Kunden ändern müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ob das bedeutet, in aufstrebende Märkte einzusteigen, Webseiten für mobile Käufer zu optimieren oder ihre Produkte auf Online-Marktplätzen aufzuführen, es ist wichtig für Online-Händler, darauf zu achten, was Kunden möchten und einen Schritt voraus zu bleiben.

 

Videos in Ecommerce


1. US Census
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10. Volution
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